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Aus dem Leben gegriffen (1) – Estragon zum Jahreswechsel

Es ist Sonntag, das Jahr liegt in seinen letzten Zügen. In einem Anflug von Zynismus denke ich bei mir, es röchelt noch etwas. Aber es war auch gut. Ich denke auch an den Slogan „Jede Sekunde zählt“, der in der S-Bahn, mit einer netten Zeichnung kompensiert, einem rot in die Augen schlägt – mit gemischten Gefühlen. Das kreative Potenzial auf der einen, die Langeweile und das viele Alleinsein auf der anderen Seite treiben mich vor den Herd. Eine Rinderbrühe, mit etwas Gemüse… Als sie fast leer ist, gehe ich mehr oder minder nahtlos dazu über, zu faul einen neuen Topf herauszuholen, Bandnudeln direkt in den Sud zu geben. Noch ein Ei darüber, ein kleines Bisschen von einer Salami, klein geschnitten, zwei Knoblauchzehen, Kurkuma, Lorbeer und Estragon. Heraus kommt irgendetwas zwischen Carbonara und Amatriciana. Ich bin mit dem Ergebnis recht zufrieden, stelle ich fest. Zufriedenheit – neben Glück dasjenige, was man sich gerne und oft zu gewissen Anlässen wünscht. Ich wünsche das anderen und mir selbst auch. Nur ist sie, die Zufriedenheit, für mich, meine Gefühle, eine Art Näherungswert. Wie stimmig, dass mir jemand, der eine besondere Rolle in meinem Leben innehat, mit seiner sonoren Stimme vorhin am Telefon abschließend an das Gespräch „gute Gefühle“ wünschte. So etwas Schönes! Eine Rarität, bestehend aus nur ein paar wenigen Worten. Von den Nachbarn klingt das Trampeln, das Staubsaugen Samstags, das Plärren des Töchterleins durch die Sinne vermittelt in mein Bewusstsein hinein. Die Erinnerung an das Telefonat hingegen weitet das Herz besser, festigt in der mitunter schwankenden Schwebe des Lebens. Ärgerlich hingegen ist die plumpe Knallerei schon vier Tage vor dem Jahreswechsel. Sollen die Burschen doch mal nach Afghanistan… Aber Groll beiseite. Zack – schon wieder. Man kommt ja nicht aus. Aber es geht sich schon alles aus, alljährlich. Und irgendwie, in einer seltsamen Weise, ist jeden Tag Silvester. So etwas zwischen Carbonara und Amatriciana. (af18)

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